Nejib aus dem Jemen

(vielleicht habt ihr euch gefragt, warum sich in diesem Blog
die letzten Wochen so "wenig" getan hat?!
- dies ist die Geschichte dazu:

eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist zu erkunden, aus wievielen Lagen ein gewöhnliches Papiertaschentuch besteht.

Ausserdem trommelt er sehr gerne und gut, singt in der Badewanne und sagt sehr oft „tamam“ – was so viel heißt wie „ok / geht in Ordnung!“. Er kann zwar (noch) nicht pfeifen, ist aber ein wahnsinnig guter Flohschnipser (Spiel).

Die Rede ist von Nejib – einem 7-jährigen Jungen aus dem Jemen mit einem grossen Herzen, was bedauerlicherweise ein Loch hat hatte.

Wenn er in Deutschland auf die Welt gekommen wäre, so hätte man ihn kurz nach seiner Geburt operiert  –  aber im Jemen kann, muss, sollte er damit 7 Jahre seines Lebens verbringen und fast wäre es zu spät gewesen für diesen lebensnotwendigen Eingriff.

Immer wieder hört man im Alltag von „humanitären Hilfen“ oder den Begriff „Pflegekind“ – ohne zu wissen, was dies im Einzelfall bedeutet. Immer wieder von Vereinen, Organisatoren und Einrichtungen, die solche Projekte und Vorhaben durchführen und unterstützen – und immer wieder denkt man: „ist wirklich eine gute Sache“ – aber man schafft es doch nicht, sich aktiv mit Hilfe oder Engagement zu beteiligen.

Eine dieser Organisationen ist das Hammer-Forum. Gegründet wurde es am 12. März 1991 während des 2. Golfkrieges von Ärzten und Bürgern der Stadt Hamm. Sie wollten der Not und dem Elend, das besonders die Kinder hart getroffen hatte, nicht länger tatenlos zusehen.

hört sich gut an – ich persönlich hatte jedoch vorher noch nie etwas über sie gehört oder gelesen.

Dies sollte sich Anfang November ändern:

Alltag an einem Freitag: vor der Arbeit lese ich meine mails, darunter ist die mail einer Freundin, die zu Folgendem aufruft : „…er freut sich sicher über Besuch. Vielleicht hat der eine oder andere Zeit, ein wenig mit ihm zu spielen. Er kann nur arabisch…“

Arabisch kann ich zwar nicht, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass „spielen“ in der Regel keine nicht viel Sprache benötigt.

Ich reagiere…und nach kurzer Zeit meldet sich das Hammer Forum und möchte meine Daten aufnehmen.

Es kommt, wie es kommen sollte:

Wir haben einen Gast!

„Kultursensibilität“: vermutlich würden viele Menschen noch nicht einmal die mit Henna rot eingefärbten kleinen Finger(nägel) seiner Hände bemerken. Mir schauderte es jedoch eiskalt den Rücken runter….da hat ihn in seiner Heimat seine Familie mit einer Zeremonie verabschiedet. Eine Zeremonie, die soviel wie „Abschied“ bedeutet…. (Abschied von einem Lebensabschnitt oder aber auch Abschied vom Leben)…

nach vier ereignisreichen Tagen (viel Spass, Zoobesuch, Besuch im Museum, viel Spiel, etliche Tom & Jerry-Folgen und vielen Hände-, Füsse- und Mimik-Kommunikation später) wurde er dann operiert.

In unseren Augen ist Nejib nicht nur ein fröhliches, genügsames und lustiges kind (neben kreativ, einfallsreich und wahnsinnig charmant), sondern seit der Zeit nach seiner OP auch ein HELD!! Diese Zeit fernab seiner Familie ganz alleine mit „Fremden“ durchzustehen ist eine unglaubliche Leistung!

NejibKlar hat man ihm erklärt, was ihn hier erwartet und klar haben auch wir ihn auf die OP „vorbereitet“ (es geht auch mit wenig Sprache – bspw. zeigt man ihm Bilder mit Kindern, die ein Pflaster auf der Brust haben)…..und klar auch, dass er trotzdem nicht wirklich wusste, was ihn erwartete… und das war auch gut so!

An dieser Stelle geht unser aller DANK an:

Prof. Dr. Anton Moritz

von der Uniklinik Frankfurt für die Durchführung der OP. Ebenso an die anderen behandelnden Ärzte und das Pflegeteam (sowohl der Intensivstation, als auch der Kinderstation!).

Ein ganz besonderer DANK auch an alle, die ihn besucht haben – insbesondere an diejenigen, die übersetzt haben!

Erstaunlich auch, wie es ihm Tag für Tag besser ging… denn schon bald sollte er wieder als singender Kapitän die Badewanne den Ozean erkunden:

kleiner KapitänFür uns ist es eine schöne und ereignisreiche Zeit – und wir sind sehr dankbar für die Erlebnisse mit ihm. Beispielsweise, welch grosse Augen er machte, als er zum ersten Mal in seinem Leben SCHNEE sah;

„Berrrrd!“ (heisst „kaltttt!“)….sagte er staunend, als ich ihm die frisch runtergeschneiten Flocken in die Hand gab…

Bald fliegt er wieder nach Hause zu seinen Eltern, die ihn total vermissen und mit großer Sehnsuch erwarten.

„Du wirst uns fehlen Kleiner!! Wir werden Dich so schnell nicht vergessen! Du hast und so viele tolle Momente geschenkt; kannst Du Dich erinnern?: vor der OP hatten wir total viel Spass und wir dachten, sie hätten Dir während der Operation nicht nur Dein Herz geflickt, sondern versehentlich auch Dein Lachen rausgenommen?! Denn Du hast die Tage nach der OP so ernst geguckt (enttäuscht, leidend aber immer geduldig!) und wir konnten Dir kein noch so klitzekleines Lächeln entlocken!….bis Du uns eines Tages – völlig unerwartet – zugezwinkert hast…..und da wussten wir, Du bist wieder da! Und alles wird gut!“…

InschaALLAH…

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Anekdötchen

7 Antworten zu “Nejib aus dem Jemen

  1. Hallo,

    echt klasse…sehr rührende Geschichte… 🙂

    ich bin selbst ehrenamtlich in einer hilfsorganisation tätig…für mehr infos..

    http://www.actions-nowords.com

    habe zur zeit ein eigenes projekt laufen “ Kunstkasper For Charity “ in meinem shop bei dawanda..url ist oben angegeben…

    schaut auf jedenfall rein..es lohnt sich 😉

    viele grüße

  2. Anonymous

    Najib, was für ein sanftes Kind! Ja, Du musst ihn besuchen. Für eine bessere Kommunikation vielleicht vorab ein Blick wert: Walther, Heiner: Jemenitisch-Arabisch – Wort für Wort.

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