-wir schließen-

Bad Hersfeld ist wirklich ein schönes Städtchen und ich bin gerne hier.

Allerdings könnte die Innenstadt noch viel mehr an Flair hergeben. Gerade zur Festspielzeit (die fünfte Jahreszeit in Bad Hersfeld) waren sämtliche Schaufenster toll und thematisch passend (Dschungelbuch) zum Theaterprogramm gestaltet. Die Altstadt mit vielen idyllischen Fachwerkhäusern lässt träumen, wie es wohl wäre, wenn kleine Handwerkläden und ein Einzelhandel (wie früher, ohne Kette, Franchise oder sonstigen Grossvertreterfilialen) die Innenstadt beleben würden. Es gibt noch kaum Läden dieser Art. Einer unserer gern besuchten und vor nicht allzu langer Zeit eröffneten Läden in diesem Stil musste bedauerlicherweise wieder schließen. Wir haben dort den besten Essig, eine gute Beratung und immer ´nen netten Plausch bekommen.

Der Laden konnte sich leider nicht halten. Und wann merken wir endlich, dass wir als Kunden auch mal in kleinen Lädchen mit dem Stil von Tante-Emma einkaufen wollen? Dort, wo VerkäuferInnen ihre Produkte wirklich kennen und uns nicht die drei Worte vom Etikett ablesen? Und auch ein netter Blumenladen mit selbstgenähten Klamotten und schönen, ausgesuchten Deko-Artikeln schließt und zieht „auf´s Land“, wo die Läden bezahlbarer sind.

Die Stadt Hersfeld müsste da mal die Sache in die Hand nehmen …. immerhin stehen soooo viel Läden seit Ewigkeiten leer…jedoch sind die Mietpreise scheinbar so hoch, dass sich nur ein Handyladen, eine Bäckerei, noch ´n H&M, C&A, Bijou Brigitte, Douglas und und und die Existenz dort sichern kann.

Schade… ich habe in den vergangenen Jahren viele Städte Deutschlands gesehen und irgendwie funktionieren alle gleich. Die Haupteinkaufsstraße ist immer ähnlich…daher ist es fast egal, in welcher Gross- und Kleinstadt Deutschlands man sich befindet.

Wo sind all die Puppenmacher? Goldschmiede? Eisenwarenhändler (die netten Herren von früher, die hinter ihrem Tresen stehen und genau wissen, in welcher der tausend Schubladen sich ausgerechnet mein gesuchtes Schräubchen befindet?)? Kunsthandwerkslädchen?

Einige Rudimente erinnern an die Kindheit: von der „Löwenapotheke“ wacht nur noch der goldene Löwe über dem Eingang. Links (noch) ein Handyladen, Rechts (immerhin) ein Laden für Sanitärbedarf.

Im nächsten Beitrag poste ich mal was über die (wenigen) schönen Läden in HEF, die es hier (noch) gibt.

…schade, dass mein Kind wohl nie sein Taschengeld in einem echten Tante-Emma-Laden zu Süßigkeiten machen kann…

 

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3 Kommentare

Eingeordnet unter ...in Bildern, im Hirn von Frau Ö

3 Antworten zu “-wir schließen-

  1. Hallo,
    ich will hier keine Werbung machen, aber ich gehe diesem Phänomen schon seit längerem auf den Grund. Fest steht: Städte und Kommunen können an der Situation kaum etwas tun, es sei denn, wir wollen ihnen gestatten aktiv in den Wettbewerb einzugreifen. Nur das wäre sicherlich keine Lösung im Sinne der Verbraucher.

    Einer der aktuellen Ursachen für das Voranschreiten der Verödung unserer Innenstädte und ländlichen Regionen ist der rasant ansteigende Anteil des e-Commerce am Handelsvolumen. Auch diesem sollte man nicht gesetzlich, oder regulatorisch, entgegenwirken. Vielmehr muss der stationäre Einzelhandel in die Lage versetzt werden, für den Verbraucher zur besseren Alternative zu werden.

    Wir haben das Internetportal Prebesto.de entwickelt und sind gerade dabei dies zu etablieren. Wir fangen damit am Niederrhein an. Auf Prebesto findet der Kunde die Händler vor Ort, die die Produkte, die er er sucht, anbieten. Wir bieten dem Einzelhandel damit die Chance das Internet für sich zu nutzen, anstatt sich davon überrollen zu lassen.

    Wir hoffen dem Einzelhandel damit helfen zu können und weitere Regionen davon zu begeistern.

  2. Ist in Freiburg das Gleiche – die großen Ketten florieren, die kleinen Läden gehen ein. Es sei denn, sie verkaufen Kitsch zum Hinstellen. Richtige Oma-Kaffees oder vernünftige Gastwirtschaften gibt’s auch kaum noch, dafür schlechten Korbmöbel-Schick, Sperrmüll-Feeling-von-der-Stange mit Schnitzeln aus der Fritte und natürlich total lustigen Andy-Warhol-Schwarzwald.
    Und die Stadt ist tagtäglich brechend voll. Einkäufer, Touristen, Reisebusse… ich versteh die alle nicht.

    Ich will Eisen-Karl zurück! 😉

  3. Ich sehne mich auch nach kettenfreien Innenstädten… So, dass jede Stadt ein eigenes Gesicht hat. Aber das ist wohl ein unerfüllbarer Wunsch!

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