10. Muharram – Aşure / Aschura

 

Gestern habe ich diesen Post leider nicht geschafft…aber der nächste 10. Muharram wird (insaALLAH) kommen, daher…

Da meine Mama sonst einen Riesentopf dieser Süßspeise köchelte und leider in diesem Jahr 1000e Kilometer weit weg ist, wollte ich – inspiriert von Dilek – meine erste Aschura machen. Ihre Anleitung auf türkisch findet ihr HIER. Ich habe sie ein wenig abgewandelt. Einige Zutaten wie Weizen, Bohnen, Kichererbsen usw. werden eine Nacht vorher in Wasser eingelegt…(hab ich als „hab-hunger-sofort-Spagetti-Macherin“ natürlich verpasst und musste daher auf Dose und Tiefgefrorenes zurückgreifen). Hat aber meines Erachtens dem Geschmack nichts angetan – ehrlich!!

Was dieser Tag bedeutet, könnt ihr weiter unten lesen. Aber vorneweg. In der türkischen Tradition hat die Aşure / Aschura eine große Bedeutung. Schon im 15. Jahrhundert wurde in den Palästen und den Häusern diese Süßspeise geköchelt. 1870 ließ die Mutter des Sultans Abdulaziz Valide Pertevniyal eine Aschura in Riesenkesseln herstellen und verteilen. Dafür wurden u.a. verwendet: 400 okka (513kg) Weizen, 552 okka (798kg) Zucker, 25 okka (32kg) Rosinen!!! (Quelle Dilek bzw. M. Yerasimo)

Auch ich kann mir nicht vorstellen, was für Unmengen Aschura aus diesen Zutaten gekocht wurden. Wichtig ist es, mindestens 7 Zutaten zu wählen und an 7 Freunde zu verteilen (7 ist symbolisch gemeint und steht für „viel bzw. Unmengen“. Aschura ist auch bekannt als „Noah´s Suppe“- aber dazu später mehr – nun zum Rezept:

  • ein (Wasser)Glas voll mit Aschura-Weizen (Speziell – gibt es im türkischen Laden)
  • das selbe Glas voll (folgend Gl.) weiße Bohnen
  • halbes Gl. Kichererbsen
  • eine Packung Mandeln
  • zwei Gl. Zucker
  • halben Teelöffel Salz
  • eine Handvoll Rosinen (nach Geschmack mehr oder weniger)
  • eine Handvoll getrocknete Aprikosen
  • eine Handvoll getrocknete Feigen
  • ca. 10 Gl. Wasser

für „Zum-Draufmachen“:

  • Pinienkerne
  • Sesam
  • Walnüsse
  • Granatapfel
  • Zimt

Ich habe das Weizen ca. zwei Stunden (ja, so viel Zeit hatte ich dann doch noch) in Wasser eingeweicht, dann kam mein Schnellkochtopf (im Türkischen düdüklü=mit einer Pfeiffe) in den Einsatz. Kochzeit ca. 15 Minuten. Das Weizen muss weich aber nicht zu weich sein. Danach habe ich alles ohne Schnellkochfunktion noch einmal bei schwacher Hitze 5 Minuten köcheln lassen, dabei dann die Kichererbsen (bei mir waren es bereits gekochte tiefgefrorene) und die Bohnen (aus dem Glas – im Originalrezept müssen die Bohnen und Erbsen als trockene Hülsenfrüchte eine Nacht vorher in Wasser eingelegt werden und am nächsten Tag geschält und seperat gekocht) unterheben. Alles weiter köcheln lassen, bis die Konsistenz etwas dickflüssiger wird (bei mir hat es nicht lange gedauert).

Dann die in Würfel oder Streifen oder was auch immer geschnibbelten Aprikosen und Feigen sowie Mandeln hinzugeben. Die Mandeln müssen „geschält“ sein – dafür habe ich ein die Packung Mandeln mit heißem Wasser übergossen, etwas gewartet und dann die Schale abgedrückt (hält etwas auf!).

Dann den Zucker hinzufügen und weitere 2 Minuten köcheln lassen – alles ca. eine halbe stunde ruhen lassen…währenddessen den Sesam mit den Pinienkernen und den Walnüssen in einer Pfanne anrösten und kurz vor dem Verzehr auf die Aschura geben (ich habe auch noch Feigen kleingeschnitten und ebenso „auf“ die Süßspeise gegeben).

Ich mag diese Süßspeise besonders, wenn sie noch warm ist.

So und nun etwas zum religiösen Backround. Im Internet fand ich folgende Auflistung:

Das Wort Aschure soll vom Wort Aschere (das 10bedeutet) stammen. An diesem 10. Muharrem hat Allah auch 10 Propheten seine Gnade erwiesen:

1.Allah hat dem Propheten Musa (Friede sei mit ihm) geholfen, indem ER für ihre Flucht das Meer gespalten hat und die Pharaonen hinterher darin ertränkt hat.

2.Der Prophet Noah(Friede sei mit ihm) hat an diesem Tag seine Arche auf dem Berg Dschûdi ankern können.

3.Der Prophet Younus (Jonas)(Friede sei mit ihm) konnte an dem Tag aus dem Bauch des Wals entkommen.

4.Die Reue (Tauba) des Propheten Adams(Friede sei mit ihm) wurde an diesem Tag von Allah angenommen.

5. Der Prophet Yousuf(Friede sei mit ihm), der durch seine Brüder in einen Brunnen geworfen wurde, wurde an diesem Tag hinaus gerettet.

6. Der Prophet Jesus(Friede sei mit ihm) wurde an diesem Tag geboren und ist auch an diesem Tag zum Himmel hinauf gestiegen.

7.Die Reue des Propheten Davud(Friede sei mit ihm) hat Allah an diesem Tage angenommen.

8.Dem Propheten Abraham(Friede sei mit ihm) wurde an diesem Tag sein Sohn Ismael geschenkt.

9.Der Prophet Yakoub(Friede sei mit ihm), dessen Augen durch die Sehnsucht an seinen Sohn Yousuf(Friede sei mit ihm) erblindeten, bekam an diesem tag sein Augenlicht wieder.

10.Der Prophet Eyyub/Hiob(Friede sei mit ihm), welcher die Bürde einer schweren Krankheit trug, wurde an diesem Tag davon geheilt.

An diesem Tag fasteten schon die Juden, bevor der Islam offenbart wurde. Aber es wird empfohlen am 9., 10. und 11. zu fasten, damit nicht die Gefahr besteht andere Schriftenanhänger nachzuahmen und diesen Tag auch zu treffen (wegen des Mondstandes).

Eine Aschura-Speise wurde in einigen Regionen zur Tradition und hatte den Sinn, den Segen Allahs (also alle Zutaten bunt gemischt) zu verwerten und diesen Segen mit anderen zu teilen. (Die Speise ist also keine gottesdienstliche Sache, sondern eher etwas, was man aus Nächstenliebe macht.)

 

lasst es euch schmeckern!

Ö

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “10. Muharram – Aşure / Aschura

  1. Ganz Ehrlich, wenn ich das über den religiösen background so lese frage ich mich immer mehr was diese ganzen Kämpfe um die einzige richtige Religion sollen. Jede der drei großen Religionen in Europa (also Judetum, Islam, und Christentum) hat zwar eigene Feste, ehrt aber die gleichen Menschen, die Gutes getan haben .

    Ich finde es hier immer besonders schön, wenn Du über solche Feste schreibst, denn ich kenne mich mit dem Islam nicht aus. Ich möchte aber meinen Kindern die Möglichkeit geben, sich später selber zu entscheiden, OB und WAS sie glauben. Dafür brauchen sie natürlich Informationen, die ich ihnen so gut es geht auch geben möchte. Klar kann man Wikipedia durchforsten, oder sonst wo, aber bei Dir ist es immer so liebevoll beschrieben und das mag ich sehr!

    Liebe Grüße
    Katha

  2. Die Maufeline nimmt mir die Worte aus dem Mund: Schön beschrieben, ich find’s auch immer wieder interessant, deine Beschreibungen zu lesen. Ganz toll unaufdringlich (wenn man das so sagen darf) und informativ. Danke!

  3. Tina

    Ich schließe mich da den Meinungen der anderen. Als ich das las, kamen mir die Geschichten furchtbar bekannt vor. Es ist das, was wir schon im Kindergarten lernen. Egal ob Noah oder Jonas oder andere „Wunder“. Wir glauben doch alle an dasselbe. Im Christentum gibt es die Dreifaltigkeit und ich denke oft, dass man das auch auf die drei großen Religionen übertragen kann. Wie bei Vater, Sohn und heiliger Geist sind doch auch Christentum, Judentum und Islam ein und dasselbe.
    Also Schluss mit den Kämpfen um die „wahre“ Religion, denn vor Gott sind alle gleich 🙂

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